Trikotgeschichte

West Bromwich - Mannschaftsfoto
20.04.1895 - West Bromwich Albion team - FA Cup Finalist 1895
imago/Colorsport

Geschichte der Trikots

Ein Trikot wurde früher nur von wenigen elitären Leuten getragen, heute verkörpert es den Volkssport schlechthin. Lange Zeit haben Historiker dem Fussballtrikot keines Blickes gewürdigt, zumindest nur privat und nicht als offizielles Forschungsgebiet. Inzwischen ist das anders. Es ist eine politische und symbolische Geschichte. Trikots symbolisieren die Verbundenheit mit der Nationalmannschaft oder dem Club.

Die Trikots der Nationalmannschaften orientieren sich meist an einer der Farben der Nationalflagge bis auf ein paar wenige Ausnahmen. So wie etwa das Orange der Niederlande, welches an die Befreiung von der spanischen Krone und Italien durch Wilhelm von Oranien erinnert.

Eine ernste Sache

Die Geschichte des Fussballs wurde lange vernachlässigt doch im 20.Jahrhundert ist längst klar, es ist mehr als nur ein simples Spiel. Ab Ende des 19.Jahrhunderts erobert der Sport England und von dort aus schnell den Rest der Welt. Und das quer durch alle soziale Schichten. Auf dem Weg dorthin wird das Stadion irgendwo zwischen elitärem Club und Arbeiterkneipe zu einem Treffpunkt für alle, aber auch zu einem Kampfplatz.

Die Derbys zwischen zwei Mannschaften einer Stadt, ähneln Arenen in denen sich soziale, politische und sogar religiöse Spannungen entladen. Zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg wird der Sport überall in Europa in den Dienst nationaler Erneuerung gestellt und bekommt zwangsläufig einen politischen Beigeschmack. Fussball ist mehr als nur ein Sport und die Trikotfarben dienen unter anderem dazu seine Mitspieler schnell zu erkennen.


Vom Fussballhemd zum Trikot

Die Form des Trikots erinnert an die elitären Anfänge des Fussballs. Anfangs nannte man es auch nicht Fussballtrikot, sondern Fussballhemd. Auf den Fotos der ersten Fussballmannschaften ende es 19.Jahrhunderts und Anfang des 20.Jahrhunderts erkennt man seine elitäre oder zumindest gut bürgerliche Herkunft. Man trug Kragen, Knöpfe,lange Ärmel und teilweise sogar eine Krawatte.


Vom elitären Zeitvertreib zum Massensport

In den elitären Kreisen der britischen Public Schools entwickelt sich der Fussball im 19.Jahrhundert in Mitten der anderen Sportarten die Körper und Geist der jungen Elite stählen sollen. Boxen, Wettlauf, Tennis, Rudern und vor allem Teamsportarten Cricket, Polo, Fussball und Rugby. Die Sportarten verbreiten sich über frühere Spieler im british Empire und im Ausland und die individuelle Zurückhaltung ist dem Starkult gewichen der heute auf der ganzen Welt zelebriert wird. Denn in der Zwischenzeit ist Fussball zu einem Beruf geworden. Es geht nicht mehr darum sich auf den Fussball des Lebens vorzubereiten, sondern seinen Lebensunterhalt mit Fussball zu verdienen. Und diese Entwicklung zeigt sich am Spielstil aber auch an den Trikots.

Das erste Fussballhemd bestand aus dem speziellen Material Jersey, einem leichten und Schweiss absorbierenden Stoff. Das Hemd ist also bereits an die sportliche Aktivität angepasst. Ab den 1950ern entwickelt sich das Trikot in eine Richtung die wenig an seine elitäre Herkunft erinnert. Die bis dahin üblichen langen Ärmel verschwinden und nach und nach werden daraus kurze Ärmel. Aus dem Kragen wird ein Rund- oder V-Ausschnitt, so dass es immer weniger wie ein Hemd aussieht.

Seit wann gibt es Trikotnummern?

Diese Trikots wollen etwas sagen. Sie sprechen eine spezielle Sprache die Fans des Massensports auf der ganzen Welt verstehen. Die heute selbstverständliche Trikotnummer gab es nicht von Anfang an. Sie wurde erst zwischen den beiden Weltkriegen eingeführt, etwa ab Ende der 20er Jahre in England. Sportjournalisten konnten die Spieler damit besser identifizieren und einfacher über Spiele berichten. Anfangs war das Aufbringen von Trikotnummern echte Handarbeit und mit viel Liebe wurden die Sporthemden veredelt.


Fussballgötter entstehen

Die Spieler identifzieren und ihren Spielstil zu analysieren. Schöne Performances loben und zuordnen. Die Nummern auf den Rücken der Trikots gehen mit dem Wandel des Fussballs zum Großevent einher. Die Regeln entwickeln sich weiter um das Spiel schneller und attraktiver zu machen und auch die Fachpresse entwickelt sich weiter und neue Berufe entstehen. Sportreporter, oft ehemalige Spieler, die einen regelrechten pädagogischen Ehrgeiz entwickeln um den Zuschauern die Feinheiten der Taktik und den Geschmack am schönen Spiel eintrichtern. Man bringt dem Zuschauer bei sich für technische Meisterleistungen zu begeistern, während Sportfotografen die kostbaren Momente festhalten. Der Trend zum Spektakel wächst mit verbesserten Filmtechniken und Übertragungen der Spiele, die die Spieler als Starts inszenieren. Die Fussballer werden zu Idolen und eingefleischte Fans legen Verhaltensweisen an den Tag, die fast schon religiöser Anbetung ähneln. Bei sich zu Hause errichten sie Altäre für den Fussballgott, sie drängeln sich zu den Fussballstars um sie zu berühren und reißen sich um ihre Reliquien wie getragene Fussballschuhe oder Trikots.

Seit wann gibt es Sponsoren auf den Trikots?

Die zweite bemerkenswerte Entwicklung nach der Einführung der Rückennummern für eine einfachere Berichterstattung, ist die Einführung von Sponsoren auf den Trikots. Das Phänomen existiert nur in Ländern in denen Fussball eine wirtschaftlich bedeutende Rollen spielt. Der erste Club der seine Trikots mit Werbung bedruckte, war Penarol in Montevideo(Uruguay) in den 1950ern. Das kleine südamerikanische Land war auf der Suche nach zusätzlichen Einnahmequellen.

In Deutschland kam es im März 1973 zur Sensation und Eintracht Braunschweig erkannte als erster Club der Bundesliga diese zusätzliche Einnahmemöglichkeit. Hier ist ein Jägermeister-Trikot der Sammlung zu sehen, welches durch diese Vorgeschichte in keiner Trikotsammlung fehlen darf.

Eintracht Braunschweig Trikot - Dietmar Erler - 1977/78
Eintracht Braunschweig Trikot - Dietmar Erler - 1977/78

Seit wann gibt es Spielernamen auf Trikots?

Und das letzte Element des Trikots so wie wir es heute kennen, ist der Spielername.

Die Idee kam ursprünglich aus den USA. Genauer gesagt aus dem Basketball. In den 1990ern wurde sie vom Fussball übernommen. Heute erscheint es vollkommen normal ein Trikot mit dem Namenszug eines bekannten Fussballstars zu kaufen. Zuerst ging es dabei allerdings um wirtschaftliche Interessen, ehe es Teil der Massenkultur wurde. Während Fussball also Anfangs ein Merkmal der gehobenen Gesellschaftsschichten war, ist es längst zum massentauglichen Zeitvertreib geworden und das auf der ganzen Welt. Überall gibt es Fussball und Fussballtrikots.Und jedes Jahr reissen sich die Fans um die neuen Trikots. Aber auch in Zeitschriften, auf Postern, in Jugendzimmern oder den Panini-Alben. Und einer der wichtigsten Faktoren für den wirtschaftlichen Aspekt des Fussballs. Aber auch für die Fussballleidenschaft, die Kultur ist defintiv das Trikot.


Welche Regeln gelten heute?

Seit 2004 wird das Trikot-Ausziehen nach einem Tor mit einer gelben Karte geahndet. Genau so wenig darf man sich das Trikot nach einem Treffer über den Kopf ziehen, so schreibt es jedenfalls der internationale Fussballverband vor. Der Ausdruck der Freude verbrauche zu viel Zeit, aber man will auch politische und religiöse Botschaften verhindern. Wer ein Trikot anzieht, muss also seine persönlichen Ansichten in der Kabine lassen. Das menschliche Individuum soll hinter dem Spieler verschwinden.

Man kann also gespannt sein, welche Wege der Fussball in den nächsten Jahren noch gehen wird.

Magnus Siesenop

Magnus Siesenop

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